Stadtbücherei Hagenbach: Buchlese

Neugierig waren die vielen Besucher – darunter natürlich viele politische Freunde – vor allem auf Kurt Beck, Ministerpräsident a.D. den besonderen Gast des Abends zur „Buchlese“ der Stadtbücherei Hagenbach. Im Rahmen der bundesweiten Aktion „Treffpunkt Bibliothek“ wechselten sich Lesung und Musik, garniert mit Häppchen von Heinz Erhardt und vom Partyservice Susi Kropp.

Auch ohne das hohe Amt bleibt Kurt Beck noch ganz der Politprofi, souverän geht er auf die Menschen zu, hier ein Lächeln, dort ein Händedruck und trotz 65 Jahre scheint er noch keine Ruhe zu kennen. Vormittags noch in Prag, nachts wieder in Mainz und dazwischen in Hagenbach, und das noch kurz nach einer Augenoperation. Da zeigte sich natürlich der Programmchef, der etwas Hektik in die Veranstaltung brachte. Dafür begleitete dann aber seine Lesung und Erzählung aus seiner Biografie Mucksmäuschenstille. Seine Kinderzeit aus dem zerstörten armen Steinfeld der Nachkriegszeit vorlas, das machte die Zuhörer nachdenklich. Ständige Arbeit auch der Kinder begleitete das tägliche Leben und man konnte gut nachfühlen, dass Klein-Kurt die pappigen nassen Arme samt Schnakenbissen beim Heidelbeerpflücken gar nicht gefielen. Noch viel schlimmer war aber die Ausgrenzung durch eine Hautkrankheit, die er erlebte. Kein Messdiener sein dürfen, bei Gleichaltrigen nicht anerkannt sein, man fragte sich, wie aus solch negativen Kindheitserlebnissen so viel Energie und Tatkraft werden konnte. Es wurde bei ihm sozialer Antrieb seines politischen Denkens und Handelns, und er selbst begründet damit seinen Gerechtigkeitssinnes und seiner Anstrengung, kranken und älteren Menschen jederzeit gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen.

Auch wenn in letzter Zeit viele kritische Stimmen rund um seine Aktivitäten beim Nürburgring und seinen plötzlichen Abgang laut wurden, an diesem Abend galten ihm die Sympathien des Publikums, noch ergänzt durch Heidrun Paulus‘ „musikalische Hommage“. „Ein kleiner Misston, das war der Nürburgring“, verkündete die Hagenbacher Musikerin und Komponistin mutig an „König Kurt“, der er aber nicht sein wollte. „Ich denke, ich wäre früher erster Sänftenträger gewesen“. Und noch eine zweite Welturaufführung erklang – die zarte hell klingende Flöte von Heidrun hielt Zwiesprache mit der mystisch schwingenden Didgeridoo von Bruno Wagenseil aus Scheibenhardt. Für einen Pfälzer Ureinwohner war das Instrument der australischen Ureinwohner der passende Klang, naturverbunden, erdig, voluminös. Und weil es weder bei Mozart, Haydn oder Bach passende Literatur gab, komponierte erneut kurz entschlossen Heidrun Paulus. Weiterer Lese-Gast des Abends war Katharina Paulus aus Nordhessen, die aus ihrem Buch „Schwarze Butter“ Erzählungen vortrug, die sie für ihre Enkel aufgeschrieben hatte. Auch sie beschreibt – wie Beck – eine Lebensdarstellung, die weit über das individuelle Erleben hinaus – es ein Spiegel einer armen aber nicht unbedingt unglücklichen Zeit ist, wie es viele unter uns noch erlebt haben oder vom Erzählen kennen. Dass es uns heute so gut geht, kann immer mal Anknüpfungspunkt sein über frühere und heutige Lebensverhältnisse nachzudenken – wobei ein bestimmtes Maß Bescheidenheit und Zufriedenheit nicht schaden. Die Herbstveranstaltung der Stadtbücherei soll eine Plattform für Menschen der Region sein, ein Raum für Begegnungen. Leider gab es bei den netten Plaudereien am Ende keinen Kurt Beck mehr, da er das Forum schon wieder verlassen hatte. Dafür reimte zur Schlussmusik noch Heinz Erhardt mit lustigen Zeilen: „Ich glaube, manche junge Frau die würd vor Glück zerspringen – würd ihr der Klapperstorch zum Kind – auch gleich den Vater bringen“. Alle Verse sind nachzulesen in der Stadtbücherei Hagenbach.

Die üblichen Öffnungszeiten der Bücherei im Kulturzentrum:
Montag 18 – 20 Uhr, Mittwoch und Freitag 16 – 18 Uhr. Büchereicafé. Donnerstag 9.30 bis 11.30 Uhr. Die Ausleihe ist für vier Wochen kostenlos. Informationen gibt es über die Homepage der Stadt Hagenbach/Stadtbücherei. E-Mail: Stadtbücherei@hagenbach.de. Herbstferien sind vom 27.10. bis 1.11. 2014.

(zur Verfügung gstellt durch Stadtbürgermeister F.X. Scherrer)

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