Glaserverbindung nimmt Kurs auf Hagenbach

Zum zweiten Mal war die Firma GG Infra Investment AG am 12. März im Kulturzentrum zu Gast, um über den in naher Zukunft anstehenden Glasfaserausbau in Hagenbach zu informieren. Ging es bei der ersten Einwohnerversammlung Anfang Januar noch um allgemeine Aspekte, so gab der Vertreter des Schweizer Glasfaser-Investors RMT nun die Vertragsunterlagen für Hausbewohner aus. Alle noch nicht abgeholten Briefe mit den Unterlagen liegen jetzt bei Stadt und können dort während der Öffnungszeiten abgeholt werden. Wer einen kostenlosen Glasfaser-Anschluss im Haus haben möchte, gibt die unterschriebenen Unterlagen bis 28. Mai 2018 bei der Stadt ab. Nach der Prüfung erhält der Vertragspartner eine Kopie zurück.

Derzeit sei die Deutsche Telekom im Ort mit Bauarbeiten aktiv – die GG Infra Investment sei noch nicht tätig, sagte deren Vertreter Jens Winter, betonte aber: „Wir werden immer wieder darauf angesprochen.“ Bisher versorge die Telekom entweder über vollständige Kupferverbindung (DSL, maximal 25 Mbit/s Übertragungsgeschwindigkeit) oder über Glasfaserverbindungen, aber auf der „letzten Meile“ ins Haus des Kunden über Kupfer (VDSL, etwa 50 Mbit/s). „Wir machen es anders“, erklärte Winter. „Wir verlegen Glasfaser auf der ganzen Strecke“. Glasfaser leitet bedeutet schneller als Kupfer.

In allen Straßen Hagenbachs werden Glasfaserkabel von GG Infra Investment verlegt – unabhängig davon, dass die Telekom derzeit auch Glasfaserkabel verlegt. Der Unterschied: Im Gegensatz zur Telekom kann man bei GG Infra Investment auch einen Glasfaseranschluss in sein Haus legen lassen. Und das kostenlos – allerdings nur, während die Arbeiten laufen. Ein späterer Anschluss würde etwa 3500 Euro kosten, erklärte Winter. „Jetzt bekommen wir von den Baufirmen ganz andere Konditionen als im Nachgang“, begründete er dies.

„Wir bauen ein zusätzliches Netz“, betonte Winter. Es seien Geschwindigkeiten von 1000 Megabit bis 100 Gigabit (für Firmen) möglich. Man werde damit aber nicht das Netz der Telekom „abhängen“. Deren Leitungen blieben alle unverändert liegen. Das heißt: Man kann sich den kostenlosen Glasfaser-Hausanschluss (in Form eines Netzanschlusskastens) in den eigenen Keller legen lassen, ist aber nicht gezwungen, ihn zu nutzen. Wer ihn nicht nutze, müsse auch nicht dafür zahlen, machte Winter klar.

Weil die Firma keinen Grundversorger-Status in Deutschland besitze (etwa wie die Telekom oder die Pfalzwerke beim Strom), müsse ein „Hausanschlussvertrag“ zwischen GG Infra Investment AG und dem jeweiligen Hauseigentümer geschlossen werden. Der Vertrag unterliege dem deutschen Recht, betonte Winter. Er werde auf die Dauer von 20 Jahren abgeschlossen. Mit dem Vertrag vereinbaren beide Seiten, dass der Anschluss die komplette Dauer im Haus bleibt und nicht entfernt werden kann. Werde ein Grundstück verkauft, gehe der Vertrag auf den neuen Eigentümer über. Winter betonte: „Wir werden nach 20 Jahren die Leitungen aber nicht proaktiv herausreißen.“ Und fügte hinzu: „Das würde wohl niemand wollen.“

Bevor der Anschluss gelegt werde, werde es eine „Gebäudevorbegehung“ mit einem Experten des Investors geben, in dem individuelle Details zu jedem Haus geklärt würden. Bei bevorstehenden Baumaßnahmen im Bereich des eigenen Grundstücks solle man die Firma informieren – sie stelle dann bereits Leerrohre zum Verlegen zur Verfügung, damit man später nicht nochmals den Boden öffnen muss.

Theoretisch könnten auch andere Anbieter, etwa die Deutsche Telekom, die Glasfaserleitungen anmieten und damit ihre Kunden mit schnellem Internet versorgen. Die großen Anbieter hätten aber derzeit kein Interesse, so Winter. Bisher böte man kein Glasfaser-Internet auf dem Lande an, sei die Rückmeldung gewesen, man konzentriere sich mehr auf die Städte. Die Glasfaser-Infrastruktur von GG Infra Investent AG würde von der Schweizer Familie Tresch, Inhaber der Mutterfirma RMT, privat finanziert, so Winter. „In der Schweiz finden Sie nur Glasfaser-Anschlüsse“, erklärte er. „Das Land hinkt hier den Städten hinterher.“ RMT-Chef Tresch sei überzeugt, dass sich sein Investment langfristig lohnen werde. Winter gab sich überzeugt: „Die Telekom und die anderen werden irgendwann fragen, ob sie die Leitungen nutzen dürfen.“ Über die Netzgebühren rechne sich die Sache für den Investor. Wer bisher mit dem Glasfaser-Internet versorgt werden möchte, kann derzeit nur einen Vertrag mit Treschs Anbieter-Firma LYTE abschließen – oder eben bei seinem alten Provider bei Kupfer-Verbindungen bleiben.

Bei einem Wechsel zu LYTE zahlt der Kunde für einen 50 Megabit-Anschluss monatlich etwa 45 Euro. Für 100 Megabit sind es 50 Euro, für 150 Megabit 70 Euro. Darin enthalten ist ein Telefon-Pauschaltarif (Flatrate) ins deutsche Festnetz. Falls gewünscht könne man auch HD-TV über LYTE beziehen. Es gibt zudem die Möglichkeit, für 20 Euro monatlich einen Flatrate-Telefonanschluss ohne Internetangebot zu buchen. Wer sich für Lyte entscheidt, muss einmalig 150 Euro Anschlussgebühr zahlen.

Die ersten Baumaßnahmen in Hagenbach seien für diesen Herbst geplant, machte Winter klar. Zwei Jahre werde es dauern, bis Hagenbach komplett verglasfasert ist. Die Technikzentrale, wo das überregionale Glasfasernetz (Backbone) ankommt, soll sich nahe des Rewe-Markts befinden. Von dort aus werden Leitungen in die Straßen verlegt und letztlich dort die Hausanschlüsse eingebaut. Wenn ein Straßenzug fertig ist, soll er freigeschaltet werden – auch wenn andernorts noch Bauarbeiten laufen.

Die Gehwege, die zum Verlegen der Glasfaserkabel geöffnet werden, müssen auf Grundlage Verbandsgemeinde-Richtlinien wieder geschlossen und danach von der Tiefbauabteilung abgenommen werden, erklärte Stadtbürgermeister Franz Xaver Scherrer. Defekte Gehwegplatten würden dabei ausgewechselt. Er gab die Empfehlung an die Hausbesitzer, den Vertrag mit der GG Infra Investment AG zu unterschreiben. „Sie haben nur Vorteile, keine Nachteile.“

Die Öffnungszeiten sind:

Montags: 16.00 bis 19.00 Uhr
Mittwochs: 10.00 bis 12.00 Uhr
Mittwochs: 16.00 bis 18.00 Uhr
Freitags: 16.00 bis 18.00 Uhr

Glasfaser in Hagenbach

Glasfaser in Hagenbach

Stadtbürgermeister Franz Xaver Scherrer, Bürgermeister Reinhard Scherrer sowie die Beigeordneten Iris Fleisch und Christian Hutter unterzeichnen den ersten Vertrag für den Hausanschluss zur Glasfaserverlegung

(zur Verfügung gestellt durch Stadt Hagenbach)

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