Abendlicher, historischer Rundgang durch Hagenbachs Altstadt

Der Hagenbacher Nachtwächter Werner Ockuly leitete am 16. April 2013 um 20.00

Uhr am Untertorplatz den historischen Rundgang durch Hagenbachs Altstadt mit diesem Vierzeiler ein:

„Hört ihr Leut, und lasst euch sagen:
Unsre Glock hat acht geschlagen!
Zwölf, das ist das Ziel der Zeit,
Mensch bedenk die Ewigkeit!“

So klang es in einem Nachtwächterlied aus dem 18. Jahrhundert in sieben Strophen nach Ludwig Erk und Franz Magnus Böhme, das 1893-1894 in den Deutschen Liederhort aufgenommen wurde.

Das Untertor existiert nicht mehr, ebenso wie das Obertor wurde es 1821 abgerissen und zum Verfüllen des alten Stadtgrabens verwendet. Hagenbach platzte aus allen Nähten und aus der lebensrettenden Stadtmauer des Mittelalters war in den Zeiten der napoleonischen Kriege ohnehin nur noch ein

Anachronismus geworden. Etwas östlich der heutigen Rheinstraße, in Sichtweite zum Untertor, mäanderte ein Seitenarm des Rheins, bis dieser Mitte des 19. Jahrhunderts nach Plänen des Wasserbauingenieurs Johann Gottfried Tulla in sein neues Bett gezwängt wurde. So wird auch im Dezember Jahre 1146 der Zisterzienserabt und Kreuzzugsprediger Bernhard vom Clairvaux an der Anlegestelle unweit des Untertors das Schiff verlassen und Hagenbach durch das Untertor betreten haben. Die Reisebeschreibung seiner beiden Sekretäre ist die älteste schriftliche Erwähnung Hagenbachs.

So leitete der ehemalige Hagenbacher Schulrektor, Bürgermeister und Chronikschreiber Hermann Dreizehnter die überaus lehrreiche Führung durch Hagenbach ein. Auf die bayrische Zeit gehen viele Straßennamen zurück, so etwa die Maximilianstraße, die Ludwigstraße oder die Ottostraße. Die Theresienstraße hingegen ist nach der habsburgischen Erzherzogin Maria Theresia von Österreich benannt, der Gegenspielerin Friedrichs des Großen. Über diese Straßen folgte der Rundgang der Geschichte im Großen und im Kleinen, um schließlich am Obertorplatz anzukommen. Dort gab es noch etwas Stadtgeschichte, bevor die Führung dann am Wachthäusel Station machte und die zahlreichen Teilnehmer etwas über die Bedeutung dieses Gebäudes erfuhren. Zwischen Rathaus und St. Michael Kirche endete der bildungsrelevante Teil der Führung, während im Park neben der Kirche eine Damengruppe etwas Einblick in die Welt der Hagenbacher Sagengestalten erlaubte – wie das in Hagenbach üblich ist, verbunden mit einem kleinen Umtrunk. Ein anderer Hagenbacher schrieb einmal: „Die literarische Renaissance, die philosophische Aufklärung und die alkoholische Gärung bilden das Fundament der abendländischen Identität.“
Hagenbach erlebte in seiner Geschichte Höhen und Tiefen. Als Siedlung von Leibeigenen des Klosters Weißenburg entstand die erste Blühte durch die Verleihung der Stadtrechte durch Rudolf von Habsburg im Jahre 1281. Hagenbach wurde Verwaltungssitz, Gerichtsstandort und beherbergte eine Hauptkirche mit 4 Priestern. Durch napoleonischen Verwaltungsreformen verlor es 1803 seine Stadtrechte, die es jedoch 2006 wiedererhielt als „Alte Stadt in neuem Glanz!“

(Bilder: Stadtbürgermeister F.X. Scherrer, Text: Klaus Printz)

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